NEWSLETTER: FRÜHDRUCK ÜBER DIE KRÖNUNG VON MAXIMILIAN I.

Krönung und Allgemeiner Landfrieden, AD 1486

AUTOR

Kaiser Maximilian I. (1459-1519)
ab 1477 Herzog von Burgund
ab 1486 Römisch-Deutscher König
von 1508-1519 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches

TITEL

Krönung und allgemeiner Landfrieden.

DRUCK

Johann Prüss, Straßburg
nach dem 30. April 1486

BEDEUTUNG

Hochbedeutender und extrem seltener Bericht von der Königskrönung Maximilian I. in Aachen. Diese überaus seltene Inkunabel berichtet von der Krönung Maximilians in Aachen 1486 sowie von dem Ausschreiben Friedrich III. an Berthold von Henneberg, Erzbischof von Mainz, mit der Weisung den Landfrieden öffentlich verkünden zu lassen. Einige Ereignisse erfolgten bereits am 17. und 28. März 1486, während die Umsetzung des Gemeinen Landfriedens mit der Krönung Maximilians I. auf den 30. April 1486 zu datieren ist, welcher eine Art „Verfassung“ zur Beendung unkontrollierter kriegerischer Handlungen darstellte.

Der vorliegende Druck gehört zu einer kleinen Gruppe früher politischer Ereignisdrucke des Heiligen Römischen Reiches. Seit den 1480er Jahren wurden aktuelle Reichsereignisse – etwa Reichstage, Türkenkriegsaufrufe oder Königskrönungen – erstmals im Druck verbreitet. Der vorliegende Druck zählt zu den frühesten gedruckten Nachrichten über ein aktuelles politisches Ereignis des Reiches. Mit der Verbindung von Krönungsbericht und Landfriedensmandat dokumentiert er zugleich den Beginn jener Reichsreformen, die unter Maximilian I. zur Neuordnung der Reichsverfassung führten.

Die Krönung von Maximilian I. fand am 9. April 1486 in Aachen statt. Der Text dieses Druckes erwähnt jedoch Ereignisse und Anordnungen, die bis zum 30. April 1486 reichen. Das bedeutet: Der Straßburger Druck von Johann Prüss wurde nur wenige Wochen nach der Krönung produziert. Für die technischen Voraussetzungen solch früher Inkunabeldrucke ist das bemerkenswert schnell. Im späten 15. Jahrhundert bedeutete das: Nachricht aus Aachen, Übermittlung nach Straßburg, Satz, Druck, Rubrizierung und Verbreitung im Reich. Der Druck ist sozusagen eine „Eilmeldung“ der Reichspolitik.

Die Wahl Maximilians war politisch nicht selbstverständlich. Sein Vater, Friedrich III., ließ ihn bereits zu Lebzeiten zum König wählen, um die dynastische Nachfolge der Habsburger zu sichern. Die Verbindung von Krönungsbericht und Landfriedensmandat ist kein Zufall. Im Reich wurde seit Jahrzehnten diskutiert, wie Fehden und gewaltsame Auseinandersetzungen beendet werden können und wie Recht durchgesetzt werden kann. Der Druck zeigt den politischen Anspruch des neuen Königs: Maximilian erscheint als Garant von Ordnung und Frieden. Dieser Ansatz führte später zu den Reformen des Reichstags von 1495, darunter: Ewiger Landfriede, Reichskammergericht und Reichskreise.

Weltweit lassen sich von diesem Druck lediglich vier Exemplare nachweisen. Besonders interessant lassen den vorliegenden Druck die um 1520 entstandenen handschriftlichen Kommentare in lateinischer Sprache erscheinen, welche dieses Exemplar zu einem absoluten Unikat avancieren. Ein Antonius Frantz notiert auf dem letzten Blatt:

„Rex archid Princeps comes palatinus comes marchio lantgraphius dominus Maximilianus Imperator diyt anno domino 1519 die January xii. Cos anno electus est carolus nepoß ciuser cius anno quenti 1520 coronatus est post et cetera hispaniis adverierat.“

Übersetzt: „König Erzherzog Prinz Graf von der Pfalz Markgraf Landgraf Lord Maximilian Kaiser starb im Jahr des Herrn 1519 am 12. Januar. Im selben Jahr wurde sein Neffe Karl gewählt und im Jahr 1520 gekrönt, nachdem der Thronfolger in Spanien eingetroffen war.“

KOLLATION

19 (von 20) Blatt. Das letzte Blatt c4 leer. Ohne das erste leere Blatt a1. Im Text vollständiges Exemplar.
Lagenpaginierung: a8; b8; c4.

AUSSTATTUNG

Einspaltige, gotische Type in 27 Zeilen. In Rot rubriziert und mit etlichen ebenso rubrizierten handschriftlichen Randkommentaren und Durchstreichungen in Rot. Ein Beleg, dass es sich beim Rubrikator um einen der Erstbesitzer handelte.
Blattgröße: 20,3 x 14,5 cm; Satzspiegel: bis zu 14 x 9 cm.

EINBAND

Ungeheftet. Lagen lose im zeitgenössischen Bütten-Umschlag mit handschriftlichen Besitzvermerk und Kreuzzeichnung der Zeit. Dieses Exemplar ist demzufolge absolut genuin erhalten und im Gegensatz zu den wenigen anderen Exemplaren historisch unverfälscht erhalten.
Quart: 20 x 14,3 cm.

ZUSTAND

Genuin erhaltener Druck. Sauberer und kräftiger, haptisch fühlbarer Abdruck auf festem Büttenpapier. In den Rändern. Mit reichhaltigen Kommentaren einer zeitgenössischen Hand. Obere Ecke durchgängig mit altem Abriss. Die ersten beiden Blatt mit Randeinriss im rechten Rand. außerhalb des Schriftspiegels.

NACHWEIS

Fachliteratur: ISTC im00384300; GW M22101; Zehnacker 1560 (& ill. XI); IDL 3167; Madsen 2424; Proctor 3263; BMC III 860.

Bibliotheken: Königliche Bibliothek København, Sammlung Draiflessen (Liberna, Inc 41), Mettingen; Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Weimar (Inc.318a.1-3); British Library (IA.1574, nicht im BMC beschrieben)

Handel: keine Verkäufe im Handel seit 1983 bekannt.

PROVENIENZ

Antonius Frantz – dessen handschriftlicher Besitzeintrag auf dem Umschlag sowie dessen Kommentare im gesamten Druck.

Aus dem Besitz von Günther Herzfeld-Wüsthoff (1893-1969), deutscher Schriftsteller, Philosoph und Antiquar. Er stand in regem Kontakt mit Thomas Mann und Alfred Andersch, seinem einstigen Mentor, der ihm in seinem Roman „Kirschen der Freiheit“ ein Denkmal gesetzt hat. 1935 kaufte er ein Grundstück in Unterreitnau im Lindauer Hinterland und baute ein Haus, in dem er später den Verlag „Trösteinsamkeit“ gründete. Seine Tochter Christa Herzfeld-Wüstoff bewohnte das Haus bis 1995. Aus diesem Nachlass stammt das vorliegende Exemplar.

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Hiermit wird die einwandfreie Herkunft der vorliegenden Inkunabel bestätigt. Diese ist zum Zeitpunkt des Verkaufs frei von Rechten Dritter und wurde mit der Lost-Art-Datenbank abgeglichen. Für die Lieferung außerhalb der EU ist eine Ausfuhrgenehmigung der Kulturbehörden erforderlich. Diese wird von uns nach Eingang des Kaufpreises beantragt und dauert ca. 14 Tage. Für die Verbringung in EU-Länder ist aufgrund der festgelegten Wertegrenzen keine Ausfuhrgenehmigung erforderlich.

Preis
25.000 €
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Tilo Hofmann
Artikelnummer
T515
Die Krönung von Maximilian I.

fand am 9. April 1486 in Aachen statt. Der Text dieses Druckes erwähnt jedoch Ereignisse und Anordnungen, die bis zum 30. April 1486 reichen. Das bedeutet: Der Straßburger Druck von Johann Prüss wurde nur wenige Wochen nach der Krönung produziert. Für die technischen Voraussetzungen solch früher Inkunabeldrucke ist das bemerkenswert schnell. Im späten 15. Jahrhundert bedeutete das: Nachricht aus Aachen, Übermittlung nach Straßburg, Satz, Druck, Rubrizierung und Verbreitung im Reich. Der Druck ist sozusagen eine „Eilmeldung“ der Reichspolitik.

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Highlight

Eines der verhängnisvollsten Bücher der Weltliteratur

Malleus maleficarum, Koberger 1493

Äußerst seltenes Exemplar einer Inkunabelausgabe des berühmt-berüchtigten „Malleus Maleficarum“, des sogenannten „Hexenhammers“, gedruckt in der berühmten Nürnberger Offizin von Anton Koberger.

Das Werk wurde erstmalig 1486 bei Peter Drach in Speyer in Druck gegeben und stammt aus den Federn der beiden Dominikanermönche Heinrich Kramer, latinisiert zu Henricus Institoris und Jakob Sprenger, dessen Mitautorschaft heute infrage gestellt wird, obgleich das Werk traditionell eher unter des letzteren Namen geführt wird.

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