DIE BEGRÜNDUNG DES KAUFMÄNNISCHEN RECHNENS

Erstausgabe Rechenbuch von Adam Riese

AUTOR

Adam Ries (1492-1559)

TITEL

Rechenung nach der lenge, auff den Linihen vnd Feder. Darzu forteil vnd behendigkeit durch die Proportiones, Practica genant, Mit grüntlichem vnterricht des visierens.

DRUCKER

Jacob Bärwald, Leipzig, 1550

BESCHREIBUNG

Erste Ausgabe des äußerst seltenen Rechenbuches des Adam Ries. Erste Ausgabe von Rieses drittem Rechenbuch. „Das Manuskript zum Buch wurde wahrscheinlich schon in Erfurt begonnen, aber erst 1525 in Annaberg beendet. Geldmangel und Überfülle an Aufgaben, die Adam Ries im Dienst an der Öffentlichkeit zu bewältigen hatte, verhinderten zunächst die Veröffentlichung. Erst 25 Jahre später erreichte Adam Ries bei Kaiser Karl V. die Privilegierung des Werkes und erhielt durch Kurfürst Moritz von Sachsen einen Vorschuss auf die Druckkosten. In der ›Practica‹ summiert sich das praktisch unterlegte mathematische Wissen von Adam Ries auf Fachebene und rhetorisch eindrucksvolle Weise. Nicht nur Walter Schellhaus (1974), sondern schon Generationen von Schüler, Lehrern und Historikern vor ihm galt die ›Practica‹ nach Inhalt und Form als das klassische Werk der deutschen Rechenkunst“ (Gebhardt/R. VIIIf.).

„The book represents the culmination of Riese’s work, and is the best exponent of the practical arithmetic of the middle of the century in Germany“ (Smith, Rara).

AUSSTATTUNG

Ein koloriertes Holzschnitt-Porträtmedaillon auf dem Titelblatt. Diverse Rechenbeispiele, deren Schriftsatz zum damaligen Zeitpunkt eine große drucktechnische Herausforderung darstellte.

KOLLATION

4 nicht num. Blatt; 196 num. Blatt. Vollständig.

EINBAND

Originaler Renaissanceeinband. Blindgeprägtes Schweinsleder über Pappdeckeln. Die Deckel mit Reformatorenrolle und  uns unbekannter Rolle mit Adam & Eva, Kreuzigung und Verkündigung. Das Mittelfeld des Vorderdeckels monogrammiert und datiert „FHV / 1559“. Diese mit „FF“ bezeichnete Platte zeigt Judith, stehend mit Sack. Hinten eine unbezeichnete Platte Bathseba im Bade. Zu den beiden Platten und der Reformatorenrolle schreibt Haebler (II, 113): „… diesen Initialen bin ich nur auf Bänden aus der Oelser Schloßbibliothek begegnet, und möchte deshalb annehmen, daß sie einen schlesischen Buchbinder bezeichnen“. Die Rolle mit den Bibelszenen führt Haebler nicht auf. Gebunden auf drei Bünden. Ein ursprünglich vorhandenes Beiwerk hinten wurde entfernt. Guter Zustand mit Gebrauchsspuren. Deckel etwas berieben. Kanten und Ecken berieben und bestoßen. Hinterdeckel mit Koloritresten.
Quartformat: 20,5 x 17 x 4 cm.

ZUSTAND

Sehr guter Originalzustand. Weitgehend sauberes und breitrandiges Exemplar. Papier gleichmäßig leicht gebräunt und in den Rändern partiell stockfleckig. Erste und letzte vier Lagen mit kleinem Wurmloch. Titelblatt ohne Textverlust als ausgeschnitten und auf altes Bütten montiert und mit Randeinrissen. Hierbei die Vorrede von Hermann Botticher verso nicht sichtbar. Sonst keine Fehlstellen oder Beschädigungen.

PROVENIENZ

Johann von Frieser (oder Prieser) – auf 1787 datierter Besitzeintrag: „Adam Rieß war zu Annaberg und lehrte in der Arithmetic, darinnen wie auch in der Geometrie er es so weit gebracht hat, daß er zu seiner Zeit vor den besten unter seines gleichen konnte gehalten werden. Es sind auch in diesem Buch solche Aufgaben, nach welchen man vorzeiten eines jeden seine Stärcke in der Rechenkunst zu prüfen pflegte, daß wann jemand solche auflösen konnte, er vor den vollkommesten Meister gelten mußte. Daher mag auch das bekannte Sprichwort in Leipzig entstanden seyn, daß, wann man die richtigkeit einer Rechnung oder sonsten einer Sache bejahen will, man zu sagen pfleget: Nach Adam Riesens Rechenbuch. Nach diesem ist dieses Büchlein zu Erfurth Ao. 1655 unter folgendem Titul wider aufgeleget worden: Adam Riesens Rechenbüchlein auf Linien und Ziffern, in allerley Handthierung, Geschäfften und Kauffmanschafften. 8°. Es sind aber […] Editionen sehr rar worden, und werden von den Liebhabern sehr theuer bezahlet. Alia Editio Wittenberg. 1611. In fol. rara praedicatur In Baueri Bibl. libr. rar. T. M. p. 320. fg. J.v Frieser [?]. 1787.“

C. Friedrich Beyschlag – auf 1805 datiertes Exlibris auf dem vorderen Spiegel (nicht bei Warnecke).

Antiquariat H. Beuerle, Tresor am Römer. Wohl aus den 80iger Jahren stammende Beschreibung / Schätzung beiliegend, die die nach Vergleich mit den heutigen Digitalisaten nachgewiesene Erstausgabe noch infrage stellt.

REFERENZEN

Literatur: VD16 R 2415; Adams R 535; Gebhardt/R. 137ff.; C/1; Honeyman 2652; Roch 52ff., 3; Smith, History of Mathematics I, 337; Smith, Rara arithmetica 250ff.

Bibliotheken: VD16 listet lediglich 7 Exemplare in Bibliotheken im DACH-Bereich (BSB München; LB Coburg; Stiftung Deutsches Historisches Museum Berlin; UB Erfurt, Depositum; FB Gotha; UB Leipzig; HAB Wolfenbüttel).

KULTURGUT SICHER ERWERBEN

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Preis
8.200 €
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Tilo Hofmann
Artikelnummer
T607
DIE WURZELN DR MATHEMATIK

Adam Ries war ein bedeutender deutscher Rechenmeister. Er gilt als der „Vater des modernen Rechnens“. Bekannt wurde er durch das vorliegende Werk, welches bis ins 17. Jahrhundert mindestens 120-mal aufgelegt wurde. Bemerkenswert ist, dass Adam Ries seine Werke, nicht wie damals bei Intellektuellen üblich, in deutscher Sprache schrieb. Dadurch erreichte er einen großen Leserkreis und konnte darüber hinaus auch zur Vereinheitlichung der deutschen Sprache beitragen. Ries hat mit seinen Werken entscheidend dazu beigetragen, dass die römische Zahlendarstellung als unhandlich erkannt und weitgehend durch die nach dem Stellenwertsystem strukturierten indisch-arabischen Zahlzeichen ersetzt wurde.

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Highlight

Eines der verhängnisvollsten Bücher der Weltliteratur

Malleus maleficarum, Koberger 1493

Äußerst seltenes Exemplar einer Inkunabelausgabe des berühmt-berüchtigten „Malleus Maleficarum“, des sogenannten „Hexenhammers“, gedruckt in der berühmten Nürnberger Offizin von Anton Koberger.

Das Werk wurde erstmalig 1486 bei Peter Drach in Speyer in Druck gegeben und stammt aus den Federn der beiden Dominikanermönche Heinrich Kramer, latinisiert zu Henricus Institoris und Jakob Sprenger, dessen Mitautorschaft heute infrage gestellt wird, obgleich das Werk traditionell eher unter des letzteren Namen geführt wird.

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