BEDEUTENDES MESSBUCH DER LEIPZIGER OFFIZIN VON ARNOLDUS VON CÖLLN

Johann Heynlin, Resolutorium dubiorum, 1496

AUTOR

Johann Heynlin (1425-1496)
auch Johannes de Lapide genannt

TITEL

Resolutorium dubiorum circa celebrationem missarum occurrentium.

DRUCK

Arnold von Köln, Leipzig, um 1496

BESCHREIBUNG

Sehr schöner und bedeutender Frühdruck des überaus seltenen Druckers. Arnoldus Neumarkt von Cöllen. Arnoldus gehört zu den Leipziger Inkunabeldruckern. Er lässt sich mittels seiner Drucke 1492 bis 1496 in Leipzig nachweisen. In dieser Zeit entstanden in seiner Offizin 20 verschiedene Drucke, manche in mehreren Auflagen. Seine Werkstatt wurde von dem Leipziger Inkunabeldrucker Wolfgang Stöckel, dem zweiten Ehemann seiner hinterlassenen Witwe Catrina, übernommen.

Bedeutendes Messbuch mit dem schönen Holzschnitt „Accipies tanti doctoris dogmata sancti“, welcher erstmalig von Quentell in Köln verwendet wurde. Er stellt das Urbild einer Gruppe von Holzschnitten, einen Lehrer mit zwei Schülern dar. Hier eine abgwandelte Variante: Der Raum hat nur noch ein statt zwei Fenster, auf dem Fußboden befinden sich keine Fliesen mehr, die Sitzgelegenheiten der Schüler sind sichtbar.

Das Werk (übersetzt: „Auflösung der Zweifel, die bei der Feier der Messe auftreten“) ist ein kurzer spätmittelalterlicher pastoral-liturgischer Traktat, der Priestern praktische Anleitung für die korrekte Feier der Messe liefert. Der Text ist als Handbuch zur Klärung typischer Zweifelsfälle strukturiert und stützt sich auf kanonisches Recht sowie Autoritäten der Scholastik und Kirchenväter.

ZUM AUTOR

Johannes Heynlin zählte zu den markantesten Gestalten des europäischen Geisteslebens seiner Zeit. Ab 1446 studierte Heynlin in Erfurt und wechselte 1448 an die Universität Leipzig, wo er den akademischen Grad eines Bakkalaureus der freien Künste erwarb. Es folgte ein Studium der Theologie in Löwen. Ab 1455 lebte er in Paris. Dort schloss sich ihm sein Schüler Johannes Reuchlin an und begleitete ihn auch nach Basel. Zwischen 1464 und 1466 lebte Heynlin in Basel und erlernte die Buchdruckerkunst. 1467 wurde Heynlin, erneut in Paris, an der Sorbonne Prior und bereits zwei Jahre später zum Rektor der Pariser Universität gewählt. Er regte mit seiner humanistischen Bildung Reform und Erneuerung in der katholischen Kirche an, wobei er sich auch gegen die Scholastik wandte. 1477 war Heynlin Mitbegründer der Tübinger Universität, 1478 Stadtpfarrer und Professor in Tübingen, 1479 Rektor, 1480 Stadtpfarrer in Baden-Baden. 1484 Übernahme der Predigerstelle am Basler Münster. Freundschaftlich verbunden war er mit Größen dieser Zeit wir Geiler von Kaisersberg, Sebastian Brant und Johann Amerbach, der als Drucker sein Schüler. Zusammen mit Guillaume Fichet betrieb er in Paris von 1470 bis 1473 eine private Druckerei in den Räumen der Sorbonne; die erste Druckerei Frankreichs.

KOLLATION

32 nicht num. Blatt, das letzte weiß. Vollständig.
Lagenpaginierung: Aa-DD6; Ee8.

AUSSTATTUNG

Einspaltige gotische Type mit bis zu 37 Zeilen. Vollständig rubriziert in Rot. Eine große eigemalte Startinitiale in Rot. Ein großer Titelholzschnitt.
Blattgröße: 20,5 x 14,5 cm; Satzspiegel: 15 x 9,5 cm.

EINBAND

Kunstvoll gefertigter blindgeprägter Ledereinband um 1930. Deckel mit jeweils zwei Messingecken und einer Messingschliesse. Der Schließbügel fehlt. Guter Zustand. Buchblock und Bindung fest und stabil.
Quartformat: 22 x 15,5 cm.

ZUSTAND

Genuin erhaltener Druck. Sauberes und breitrandiges Exemplar. Durchgängig gleichmäßig leicht gebräunt. In den Rändern partiell etwas fingerfleckig. Blatt Aa3 mit kelinem Loch im rechten Rand ohne Textberührung. Sonst perfekter Zustand ohne Mängel, Risse oder Verluste.

NACHWEIS

Literatur: ISTC ij00368000; GW M07830; Goff J 368; Hain-Copinger 9904; Schreiber V/2 4476; Schramm XIII, S. 4.; Michael Tilly: Johannes Heynlin. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, Sp. 810–812.

Bibliotheken: ISTC verzeichnet weltweit vollständige Exemplare in 21 Bibliotheken.

Handel: keine Verkäufe im Handel seit 1983 bekannt

PROVENIENZ

Aus dem Besitz von Günther Herzfeld-Wüsthoff (1893-1969), deutscher Schriftsteller, Philosoph und Antiquar. Er stand in regem Kontakt mit Thomas Mann und Alfred Andersch, seinem einstigen Mentor, der ihm in seinem Roman „Kirschen der Freiheit“ ein Denkmal gesetzt hat. 1935 kaufte er ein Grundstück in Unterreitnau im Lindauer Hinterland und baute ein Haus, in dem er später den Verlag „Trösteinsamkeit“ gründete. Seine Tochter Christa Herzfeld-Wüstoff bewohnte das Haus bis 1995. Aus diesem Nachlass stammt das vorliegende Exemplar. Erworben hatte Herzfeld-Wüsthoff dieses Exemplar bei Robert Wölfle in München (gest. 1943). Dessen Exlibris auf dem vorderen Spiegel.

KULTURGUT SICHER KAUFEN

Hiermit wird die einwandfreie Herkunft der vorliegenden Inkunabel bestätigt. Diese ist zum Zeitpunkt des Verkaufs frei von Rechten Dritter und wurde mit der Lost-Art-Datenbank abgeglichen. Für die Lieferung außerhalb der EU ist eine Ausfuhrgenehmigung der Kulturbehörden erforderlich. Diese wird von uns nach Eingang des Kaufpreises beantragt und dauert ca. 14 Tage. Für die Verbringung in EU-Länder ist aufgrund der festgelegten Wertegrenzen keine Ausfuhrgenehmigung erforderlich.

Preis
4.900 €
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Katrin Hofmann
Artikelnummer
T516
Bedeutendes Messbuch

mit dem schönen Holzschnitt „Accipies tanti doctoris dogmata sancti“, welcher erstmalig von Quentell in Köln verwendet wurde. Er stellt das Urbild einer Gruppe von Holzschnitten, einen Lehrer mit zwei Schülern dar. Hier eine abgwandelte Variante: Der Raum hat nur noch ein statt zwei Fenster, auf dem Fußboden befinden sich keine Fliesen mehr, die Sitzgelegenheiten der Schüler sind sichtbar.

Das Werk (übersetzt: „Auflösung der Zweifel, die bei der Feier der Messe auftreten“) ist ein kurzer spätmittelalterlicher pastoral-liturgischer Traktat, der Priestern praktische Anleitung für die korrekte Feier der Messe liefert. Der Text ist als Handbuch zur Klärung typischer Zweifelsfälle strukturiert und stützt sich auf kanonisches Recht sowie Autoritäten der Scholastik und Kirchenväter.

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Highlight

Eines der verhängnisvollsten Bücher der Weltliteratur

Malleus maleficarum, Koberger 1493

Äußerst seltenes Exemplar einer Inkunabelausgabe des berühmt-berüchtigten „Malleus Maleficarum“, des sogenannten „Hexenhammers“, gedruckt in der berühmten Nürnberger Offizin von Anton Koberger.

Das Werk wurde erstmalig 1486 bei Peter Drach in Speyer in Druck gegeben und stammt aus den Federn der beiden Dominikanermönche Heinrich Kramer, latinisiert zu Henricus Institoris und Jakob Sprenger, dessen Mitautorschaft heute infrage gestellt wird, obgleich das Werk traditionell eher unter des letzteren Namen geführt wird.

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