Spätgotische Marienfigur
Sächsisch-Thüringische Schule
Raum Saalfeld oder auch Altenburg, um 1500
Umkreis Valentin Lendenstreich (um 1460-1506) oder Hans Gottwald von Lohr (1480-1543)
Lindenholz, vollrund geschnitzt, polychrom gefasst und teilvergoldet.
Meisterliche spätgotische Marienfigur. Über Polygonsockel in leicht ponderierter Haltung stehend. Der Umhang in abknickenden Röhrenfalten vor den Körper gezogen. Polychrome Fassung in Brokatimitation teils ornamental graviert und übergangen.
Qualitätvolle Werkstattarbeit aus dem Umfeld bedeutender Bildschnitztraditionen. Originale geschnitzte Krone und fein ausgearbeitete Inkarnatfassung. Ikonographische Darstellung der Maria als Himmelskönigin mit verlorenem Zepter oder Lilienstab. Äußerst seltene Ausprägung einer gekrönten Maria ohne Kind. Die erhobene rechte Hand sowie die Aufnahme eines linearen, heute verlorenen Attributes in der linken Hand sprechen ikonographisch gegen die klassische Muttergottes mit Kind. Wahrscheinlich ist vielmehr eine Darstellung Mariens als Himmelskönigin mit Zepter oder Lilienstab, ein im mitteldeutschen Raum des späten Mittelalters belegter Bildtyp. Besonders bemerkenswert ist die fein ausgeführte Inkarnatbehandlung, die auch in verdeckten Bereichen sorgfältig durchgearbeitet ist – ein Hinweis auf eine ursprünglich eigenständige Aufstellung im Raum.
Stilistisch ist die Figur eindeutig im spätgotischen Formenkreis Mitteldeutschlands zu verorten. Charakteristisch ist die ruhige, typisierte Physiognomie, die ornamentale, rhythmische Haarbehandlung, die kantig gebrochene, jedoch nicht dramatisch bewegte Gewandführung und die ikonisch geschlossene Gesamtkomposition. Der vorliegende Gesichtstypus – die breite, hohe Stirn, die schmal gezogene Brauen, die mandelförmigen, leicht gespannten Augen und der kleine, geschlossene Mund stellt einen ruhigen, glatten, nicht stark individualisierten Frauentypus dar. Das ist nicht der weich-schmelzende, stark beseelte Typ südwestdeutscher Multscher-Nachfolge, und auch nicht die anatomisch freiere, oft tiefer psychologisierte Formensprache des eigentlichen Riemenschneider-Kerns.
Das Haar auf der Rückseite fällt in regelmäßigen, fast seriell geschnittenen Wellenbahnen herab. Diese lineare, ornamentale Behandlung ist typisch für Werkstätten, die stark auf Reihenproduktion bei zugleich solidem Qualitätsniveau eingerichtet waren. Der kantige, teils scharf gebrochene Faltenstil ergibt keinen „fließenden Schmelz“ und ist auf klare Fernwirkung hin gearbeitet. Genau diese Mischung aus ornamentaler Linearität, gebrochenem Faltenstil und prägnanter, aber nicht exzentrischer Physiognomie reiht sich gut in ein thüringisch-sächsisch-fränkisches Grenzmilieu zwischen 1490-1510 ein.
Hans Gottwald von Lohr war Schüler von Tilmann Riemenschneider und arbeitete bis zum Jahr 1501 dort als Geselle. Um 1502/03 zog er ins südthüringische Saalfeld und trat in die Werkstatt des Valentin Lendenstreich ein. Ab 1506 ist er selbst als Meister mit eigener Werkstatt aktenkundig.
Höhe: 78 cm; Breite: 25 cm; Tiefe: 20 cm
Gewicht: 7,9 kg
Sehr guter Zustand mit überschaubaren Altersspuren. Die weitgehend originale Fassung und die Vergoldung partiell berieben und mit einigen Abplatzungen. Einige Elemente der Inkarnatsverzerungen verlustig.
Kammel, Frank Matthias: Erfurter Passionsbildwerke des Spätmittelalters, Heidelberg 2006
Kulturstiftung der Länder: Rettung für Retabel, Berlin 2015
Grassimuseum Leipzig: Kleinpötzschauer Altar, Werkstatt Jakob Naumann
Heyen, Franz J.: Das St. Marien-Stift in Pfalzel, Germania Sacra
Gerhard Werner: Der Bildschnitzer Hans Gottwald von Lohr. Skizzen zur Saalfelder Kunstgeschichte, hrsg. vom Thüringischen Heimatmuseum Saalfeld, Museumsreihe Heft 2, Saalfeld 1966.
Gerhard Werner: Der Saalfelder Bildschnitzer Hans Gottwalt von Lohr, ein Schüler Tilman Riemenschneiders, Diss. masch. Univ. Greifswald 1987.
Kunsthandel Georg Britsch, 26.11.1985
Seither in süddeutschem Privatbesitz.
Hiermit wird die einwandfreie Herkunft der vorliegenden Skulptur bestätigt. Sie ist zum Zeitpunkt des Verkaufs frei von Rechten Dritter.

Stilistisch ist die Figur eindeutig im spätgotischen Formenkreis Mitteldeutschlands zu verorten. Charakteristisch ist die ruhige, typisierte Physiognomie, die ornamentale, rhythmische Haarbehandlung, die kantig gebrochene, jedoch nicht dramatisch bewegte Gewandführung und die ikonisch geschlossene Gesamtkomposition. Der vorliegende Gesichtstypus – die breite, hohe Stirn, die schmal gezogene Brauen, die mandelförmigen, leicht gespannten Augen und der kleine, geschlossene Mund stellt einen ruhigen, glatten, nicht stark individualisierten Frauentypus dar. Das ist nicht der weich-schmelzende, stark beseelte Typ südwestdeutscher Multscher-Nachfolge, und auch nicht die anatomisch freiere, oft tiefer psychologisierte Formensprache des eigentlichen Riemenschneider-Kerns.

Äußerst seltenes Exemplar einer Inkunabelausgabe des berühmt-berüchtigten „Malleus Maleficarum“, des sogenannten „Hexenhammers“, gedruckt in der berühmten Nürnberger Offizin von Anton Koberger.
Das Werk wurde erstmalig 1486 bei Peter Drach in Speyer in Druck gegeben und stammt aus den Federn der beiden Dominikanermönche Heinrich Kramer, latinisiert zu Henricus Institoris und Jakob Sprenger, dessen Mitautorschaft heute infrage gestellt wird, obgleich das Werk traditionell eher unter des letzteren Namen geführt wird.