DIE BIBEL DER ROSENKRANZBRUDERSCHAFT

Marcus von Weida für Barbara von Polen AD 1515

AUTOR

Marcus von Weida (1450-1516) 

TITEL

Der Spiegel hochloblicher Bruderschafft des Rosenkrantz Marie der allerreinsten Jungfrawen vff begert der durchlauchtigen hochgebornen Furstin vnd frawen frawe Barbara geborn auß koniglichẽ Stam̃ czu Poln Hertzogin czu Sachssen. Lantgrauin in Doringẽ vñ Margkgrauin czu Meyssen, czu Leyptzk gemacht vnd gedruckt.

HERAUSGEBER

Herzog Georg von Sachsen (1471-1539)
Barbara von Polen (1478-1534)

DRUCKER

Melchior Lotter, Leipzig, 1515
Druckervermerk „Gedruckt tzu Leiptzk durch Melchior Lotter in der Hawstrassze. Anno dñi Tausent funffhũ|dert funfftzen in d ́Fasten am Sonabendt nach dem Sontage Reminiscere.“ auf Blatt Bb5.

INHALT & BEDEUTUNG

Erste und einzige Ausgabe dieses prachtvoll gestalteten Holzschnittbuches aus der Frühzeit der Marienverehrung mit dem Rosenkranz und der sich dabei bildenden Bruderschaften, die (entsprechend den Rosenkranzgesetzen) mindestens aus 15 Personen bestanden. Vorliegendes Werk ist ein enzyklopädisches Handbuch zur Rosenkranz-Frömmigkeit und speziell zur Organisation, Praxis und Zielsetzung der Rosenkranz-Bruderschaften. Es enthält Anleitungen und Begründung des Rosenkranzgebets sowie eine systematische Darstellung der Rosenkranz-Bruderschaft (Aufnahme, Pflichten, Gebetsweise, geistliche Vorteile). Der Ton ist katechetisch-praktisch. Marcus von Weida bündelt Quellenwissen zu Geschichte und Praxis des Rosenkranzes und führt in die confraternitas als fromme Laienbewegung ein.

Das Werk umfasst zwölf Kapitel und behandelt „enzyklopädisch detailliert“ den Rosenkranz, seine Gebetsweise und vor allem die Bruderschaft. Dieses Werk gehört zu den prominenten volkssprachigen Rosenkranz-Handbüchern unmittelbar vor der Reformation. Martin Luther hat das vorliegende Werk rezipiert – seine teils scharfen Randglossen hierzu sind überliefert, was als ein wichtiger Hinweis auf die zeitgenössische Debatte um Rosenkranz- und Ablassfrömmigkeit gilt.

Äußerst seltenes Exemplar, nur in sechs Bibliotheken im deutschsprachigen Raum vorhanden. Seit 1995 nicht im Handel.

ZUM AUTOR & HERAUSGEBER

Barbara von Polen (1478 Sandomierz – 1534 Leipzig) war eine polnische Prinzessin aus dem Hause der Jagiellonen und durch Heirat Herzogin von Sachsen. Sie war eine Tochter des Königs Kasimir IV. von Polen (1427-1492) aus dessen Ehe mit Elisabeth von Habsburg (1437–1505), Tochter des römisch-deutschen Königs Albrecht II. Sie wurde 1496 in Leipzig mit Herzog Georg von Sachsen (1471-1539) vermählt. Nach dem Tod seiner Gemahlin soll sich Georg aus Trauer den Bart haben wachsen lassen, dem er seinen Beinamen der Bärtige verdankt. Barbara wurde mit ihrem Gatten als letzte Wettiner im Dom von Meißen bestattet.

Marcus von Weida war ein Leipziger Dominikaner und kirchlicher Schriftsteller. Er wurde in Weida geboren und trat in früher Jugend dem Orden der Rosenkranzbruderschaft in Leipzig bei. Um 1483 hielt er sich im Kloster in Eger auf und kehrte 1484 nach Leipzig als Prediger und Lektor zurück. 1487 wurde er beauftragt, eine Ordensangelegenheit bei Herzog Friedrich zu befürworten. Ab 1513 war Marcus von Weida als Regens für das Studium am Leipziger Dominikanerkloster verantwortlich, später wurde er Vicarius.

AUSSTATTUNG

Einspaltige gotische Type mit bis zu 34 Zeilen. Noch typischer Druck im Stil einer Inkunabel, mit eingedruckten Lombarden in Schwarz sowie einigen leeren Inititialspatien. Dieses reich illustrierte Werk ist ausgestattet mit einem imposanten Titelholzschnitt und 14 blattgroßen Holzschnitten.

Der fast blattgroße Titelholzschnitt zeigt die aus Polen gebürtige, sächsische Herzogin Barbara beim Rosenkranzgebet mit polnisch-sächsischem Wappen, darüber die Madonna im Rosenkranz. Die 14 anderen Holzschnitte zeigen ebenfalls Rosarium-Szenen, vielfach mit dem Heiligen Dominikus, der den Rosenkranz wohl eingeführt hat. In Muther 943 und Tafel 203 sind diese Holzschnitte ausführlich beschrieben. Muther datiert diese auf 1514, aufgrund des Druckvermerks von Lotter auf Blatt 136 verso.

Die Holzschnitte mit dem Monogramm werden von F.T. Schulz (in Thieme-Bd. XXXIV, 504) dem Augsburger Drucker Heinrich Steiner als Formschneider zugewiesen, was wir in Frage stellen. Vielmehr schließen wir uns der These von Nagler (Monogramme III, 1449, Nr.5) und Geisberg (Buch & Schrift I/4927, S. 96 ff.) an, welche das Monogramm „HS mit Kreuz“ Heinrich Vogtherr dem Älteren (auch Heinrich Satrapitanus) zuschreiben.

KOLLATION

137 (recte 138) num. Blatt; 10 nicht num. Blatt. Vollständig.
Lagenformel: A6; B4; C-F6; G-H4; I-N6; O4; P-S6; T4; V-X6; Y4; Z6; Aa-Bb6; Cc4; Dd6.

EINBAND

Attraktiver Holzdeckeleinband im Stil der Zeit. Rücken und die Hälfte der Deckel  mit blindgeprägtem Lederrücken und goldgeprägtem Rückenschild und Messingschließe. Gebunden auf drei echten Bünden. Guter Zustand. Buchblock und Bindung fest und stabil. Leder partiell berieben. Gelenke beschabt.
Quartformat: 20 x 15,5 x 3 cm.

ZUSTAND

Sehr guter Zustand mit nur geringen Alters- und Gebrauchsspuren. Sauberes und breitrandiges Exemplar. Nur partiell gelegentlich etwas stock- und fingerfleckig. Ab Lage G im unteren Rand durchgehend mit einem Wurmloch. Titelblatt oben links mit hinterlegter Wurmspur mit geringfügigen Buchstabenverlust. Blatt 14 mit kleinem repariertem Randeinriss. Blatt 75 mit repariertem Loch mit Verlust weniger Buchstaben. Die untere Ecke von Blatt 93 abgeschnitten. Vereinzelt einzelne Marginalien von alter Hand.

NACHWEIS

Literatur: VD16 M 962M; nicht bei Adams und nicht bei British Library und nicht im STC Germany; Anthony van der Lee, Marcus von Weida in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 133-134.
Bibliotheken: VD16 verzeichnet lediglich 6 Exemplare (BSB München, BSB Bamberg, UB LMU München; FB Gotha, ULB Jena und UB Leipzig).

PROVENIENZ
  • nicht identifizierbares Kloster „St. Joseph“ – handschriftlicher Eintrag auf dem Titel aus dem 16. Jhd.
  • Graf Henryk Ludwik Plater (1817-1868), ab 1859 Weihbischof von Warschau – dessen Besitzstempel „KSIĘGOZBIORU HENRYKA HR. PLATERA“ auf dem ersten und letzten Blatt.
  • Sammlung Dr. Gottfried Doehler (1863-1943) – Besitzstempel auf dem vorderen Vorsatz. Wohl erworben bei Graupe, Berlin, Dezember 1925, Lot 418.
  • Sammlung Fritz Eberhard (1896-1982) (1964, Nr. 217) – dessen Exlibris auf dem Vorderspiegel. Wohl erworben bei Karl & Faber, München, November 1934, Lot 263.
  • Nach 1982 süddeutsche Privatsammlung.
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Preis
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Tilo Hofmann
Artikelnummer
T404
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Das Werk umfasst zwölf Kapitel und behandelt „enzyklopädisch detailliert“ den Rosenkranz, seine Gebetsweise und vor allem die Bruderschaft. Dieses Werk gehört zu den prominenten volkssprachigen Rosenkranz-Handbüchern unmittelbar vor der Reformation. Martin Luther hat das vorliegende Werk rezipiert – seine teils scharfen Randglossen hierzu sind überliefert, was als ein wichtiger Hinweis auf die zeitgenössische Debatte um Rosenkranz- und Ablassfrömmigkeit gilt.

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Highlight

Horologium pulsat - vita fugit.
„Die Uhr schlägt - das Leben vergeht.“

Monumentales barockes Turmuhrwerk

Ein 350 Jahre altes Meisterwerk der Technik aus Eisen, Bronze, Stein und Holz erzeugt einen Herzschlag der Zeit, der ganze Generationen begleitete. Die Zahnräder greifen vollendet ineinander, sie messen die Stunden mit Präzision – und mahnen, dass auch unser Maß begrenzt ist.

 

Dieses monumentale Uhrwerk des 17. Jahrhunderts ist mehr als ein Mechanismus aus Eisen und Zahnrad – es ist ein Sinnbild menschlicher Kunst und Vergänglichkeit. In vollendeter Präzision schlägt es die Stunden, ordnet den Tag und erhebt den Blick zum Ewigen. Doch jeder Schlag ruft auch ins Gedächtnis: Wie das Räderwerk unaufhaltsam kreist, so rinnt auch das Leben dahin – ein klingendes Memento mori im Takt der Jahrhunderte.

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