EINES DER SCHÖNSTEN FRANZÖSISCHEN BÜCHER

La Mer des histoires, Petit, Paris, 1555

AUTOR

Pierre Le Rouge

TITEL

La Mer des histoires. – „Ein Meer von Geschichten“
Drei Teile in einem Band.

DRUCK

Les Angeliers & Oudyn Petit, Paris, 1555

BESCHREIBUNG

Äußerst seltene und bedeutende Universalgeschichte der bis ca. 1535 fortgesetzten Neubearbeitung und französischen Übersetzung der Weltgeschichte „Rudimentum Novitiorum“. Diese französische Ausgabe „stimmt – in erheblich verbesserter Ausstattung – mit dem Rudimentum novitiorum  bis in die Aetas VI weitgehend treu überein, legt aber der Zeit Karls des Großen einen Akzent auf die französische Geschichte … Parallel geht erst wieder das abschließende Martyrologicum“ (Verfasserlexikon des Mittelalters, Band XI, 1344).

Die überaus schönen und vielfältig gestalteten Holzschnittillustrationen stammen wohl aus der früheren Ausgaben von Davost-Genevey (1506), darunter auch die berühmte Weltkarte und die Palästinakarte. Der dritte Teil enthält das eigene Titelblatt „Tiers livre de la fleur et mer des hystoires plus celebres & memeorables advenues tant en l’Asie & Affrique qu’en l’Europe“ von Jean le Gendre.

Das 1475 erstmals veröffentlichte „Rudimentum Novitiorum“ war die erste Publikation, die gedruckte Karten mit Landformen und Ländern enthielt (eine Welt- und eine Palästinakarte). Die französische Ausgabe diente der Popularisierung des Werks und erschien erstmals 1488 als „La Mer des Hystoires“ mit neuen Holzschnitten, in etwas kleinerem Format und mit ins Französische übersetzten Titeln. Eine dritte Serie von Holzschnitten wurde 1491 angefertigt, erneut in etwas kleinerem Format und mit einigen geringfügigen Änderungen. In seinem Buch „The Earliest Printed Maps” bemerkt Tony Campbell, dass der Hersteller der Karten für die Ausgabe von 1491 ein „denkender Mensch” war, da er Fehler korrigierte, die in den Holzschnitten von 1475 und 1488 gemacht worden waren. Die Holzschnitte von 1491 wurden bis etwa 1555 in mehreren Ausgaben wiederverwendet. Die bemerkenswerte Weltkarte gehört zu den frühesten und sicherlich vollständigsten Darstellungen des mittelalterlichen europäischen Weltbildes.

Diese kreisförmige Weltkarte zeigt den Osten oben, mit Palästina im Zentrum. Europa ist unten links dargestellt, mit zahlreichen Ländern und einer Illustration des Papstes in der ummauerten Stadt Rom. Die verschiedenen Länder Asiens und Afrikas sind als von Wasser umgebene Berge dargestellt und enthalten kleine Illustrationen von Städten, Tieren, Drachen und der mythologischen Figur Pan. Am oberen Rand der Karte befindet sich ein großer ummauerter Obstgarten mit zwei Priesterfiguren anstelle der traditionellen Adam und Eva, während am unteren Rand die Säulen des Herkules zu sehen sind.

Die Karte Palästinas ist auf Jerusalem zentriert und ebenfalls mit Osten oben ausgerichtet. Dies war die erste gedruckte Karte, die auf Beobachtungen aus erster Hand basierte und Palästina anhand einer Pilgerreise aus dem 13. Jahrhundert darstellte. Die Karte erstreckt sich von Sidon und Damaskus im Norden bis zum Roten Meer im Süden. Acht Windköpfe umgeben die Karte.

Das Werk enthält mehr als 120 Holzschnitte, darunter einige ganzseitige. Dabei handelt es sich in erster Linie um Szenen aus der Bibel, darunter die Kreuzigung Jesu, die Erschaffung der Erde und Adam und Eva, die von der Schlange verführt werden aber auch diverse Stammbäume.

AUSSTATTUNG

Einspaltige, 55-zeilige, gotische Type in französischer Sprache. Das Wer ist illustriert mit zwei imposanten Holzschnitt-Titelbordüren, 120 Holzschnitten, nahezu 50 Stammtafeln sowie der kostbaren, doppelblattgroßen Weltkarte (Blatt LVI/LVII) und der doppelblattgroßen Windbläserkarte des Heiligen Landes. Ferner findet man Hunderte von eingedruckten Holzschnitt-Initialen. Anstatt des Titels vorgebunden eine Karte von Griechenland und Mazedonien.
Blattgröße: 32 x 19,5 cm; Satzspiegel: 27 x 14,5 cm.

KOLLATION

11 (von 12) nicht num. Blatt; 258 römisch num. Blatt (I-CCLVIII); 4 nicht num. Blatt; 204 röm. num. Blatt (I-CCIIII); 2 nicht num. Blatt; 79 (von 83) röm. num. Blatt (V-LXXXIII).
Es fehlen der erste Titel (*1) sowie die Blatt I-IV des dritten Teils (A3-6) und das letzte weiße Blatt x4.
Lagenzählung: *2-4; a8; A-Z6; AA-VV6; a4; a-l6; A1-2; B-V4; X3.

EINBAND

Brauner Halbledereinband mit sechs echten Bünden und marmorierten Pappdeckeln des 18./19. Jahrhunderts. Stärker berieben und an den Kanten lädiert. Vorderes Gelenk gebrochen, Vorderdeckel lose.
Folio: 32,5 x 21,5 x 6,5 cm.

ZUSTAND

Guter Zustand mit einigen Gebrauchsspuren. Sauberes und ordentliches Exemplar. Nur vereinzelt etwas fleckig. Erste 25 Blatt mit geringfügigen Mäusefraß im unteren Außenrand. Blatt 60-115 im unteren Bug mit Wurmgang ohne Textberührung. Letzte Blatt mit kleinem Wurmgang. Einige Unterstreichungen und Randkommentare einer zeitgenössischen Hand.

REFERENZEN

Literatur: Shirley 17; Brunet III, 1642; Bagrow/Skelton S.125; Kupcik 26

PROVENIENZ

Aus der Bibliothek von Prof. Klaus Berger, Heidelberg.

KULTURGUT SICHER ERWERBEN

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Preis
16.000 €
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Tilo Hofmann
Artikelnummer
T382
MIT DER HOCHBEDEUTENDEN WELTKARTE AUS DEM „RUDIMENTUM NOVITIORUM“

Die bemerkenswerte Weltkarte gehört zu den frühesten und sicherlich vollständigsten Darstellungen des mittelalterlichen europäischen Weltbildes. Die kreisförmige Weltkarte zeigt den Osten oben, mit Palästina im Zentrum. Europa ist unten links dargestellt, mit zahlreichen Ländern und einer Illustration des Papstes in der ummauerten Stadt Rom. Die verschiedenen Länder Asiens und Afrikas sind als von Wasser umgebene Berge dargestellt und enthalten kleine Illustrationen von Städten, Tieren, Drachen und der mythologischen Figur Pan. Am oberen Rand der Karte befindet sich ein großer ummauerter Obstgarten mit zwei Priesterfiguren anstelle der traditionellen Adam und Eva, während am unteren Rand die Säulen des Herkules zu sehen sind.

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Highlight

Horologium pulsat - vita fugit.
„Die Uhr schlägt - das Leben vergeht.“

Monumentales barockes Turmuhrwerk

Ein 350 Jahre altes Meisterwerk der Technik aus Eisen, Bronze, Stein und Holz erzeugt einen Herzschlag der Zeit, der ganze Generationen begleitete. Die Zahnräder greifen vollendet ineinander, sie messen die Stunden mit Präzision – und mahnen, dass auch unser Maß begrenzt ist.

 

Dieses monumentale Uhrwerk des 17. Jahrhunderts ist mehr als ein Mechanismus aus Eisen und Zahnrad – es ist ein Sinnbild menschlicher Kunst und Vergänglichkeit. In vollendeter Präzision schlägt es die Stunden, ordnet den Tag und erhebt den Blick zum Ewigen. Doch jeder Schlag ruft auch ins Gedächtnis: Wie das Räderwerk unaufhaltsam kreist, so rinnt auch das Leben dahin – ein klingendes Memento mori im Takt der Jahrhunderte.

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